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Überraschend: So vegan ist Wein

Ver­steck­te tie­ri­sche Bestand­tei­le im Klä­rungs­pro­zess machen Wein zum vega­nen Fall­strick. Ich zei­ge, wie Du vega­nen Wein erkennst. Nicht nur für Weinliebhaber:innen inter­es­sant.


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Mein Konsum

Frü­her trank ich ab und zu ger­ne ein Glas Wein. Das hat sich aller­dings geän­dert. Mit zuneh­men­dem Alter habe ich immer weni­ger Lust dar­auf. Doch da ich schon lan­ge Vega­ner bin, weiß ich, dass es beim The­ma Wein immer wie­der zu Ver­wir­rung unter vegan leben­den Men­schen kommt. Des­halb will ich mich heu­te die­sem The­ma wid­men, um für Klar­heit zu sor­gen. Klar­heit ist dabei im dop­pel­ten Sin­ne zu ver­ste­hen, denn dass Wein nicht immer vegan ist, liegt an des­sen Klar­heit.

Wein besteht doch aus Trauben

Zunächst scheint die Fra­ge selt­sam. Wein wird aus Trau­ben her­ge­stellt, also soll­te er doch auto­ma­tisch vegan sein, oder? Über­ra­schen­der­wei­se ist dies jedoch nicht immer der Fall. Der Grund dafür liegt in der Wein­her­stel­lung, spe­zi­ell im Klä­rungs­pro­zess.

Nach der Gärung kann Wein natür­li­che Sub­stan­zen wie Pro­te­ine, Hefen oder ande­re orga­ni­sche Par­ti­kel ent­hal­ten. Um den Wein zu klä­ren und ihm ein kla­res, anspre­chen­des Aus­se­hen zu ver­lei­hen, ver­wen­den vie­le Win­zer soge­nann­te „Fining Agents“ oder Klär­mit­tel. Hier wird es für vegan Leben­de inter­es­sant: Vie­le die­ser Klär­mit­tel sind tie­ri­schen Ursprungs.

Typische tierische Klärmittel für Wein

Klär­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs, die in der Wein­her­stel­lung ver­wen­det wer­den, sind meist:

1. Eiweiß: Das Eiweiß aus Eiern, ja tat­säch­lich das Kla­re des Eis, ist beson­ders reich an Albu­min. Das bin­det und redu­ziert den Tan­nin Gehalt von Weiß­wei­nen.[1] Wir erin­nern uns, Tan­nin ist ein Gerb­stoff, der herb und bit­ter schmeckt. Des­halb ist es im Weiß­wein nicht gern gese­hen, im Rot­wein sorgt Tan­nin aller­dings für ein voll­mun­di­ges Geschmacks­er­leb­nis.[2]

2. Gela­ti­ne: Sie wird in der Wein­her­stel­lung als Bin­de­mit­tel von Trub­stof­fen genutzt. Da die­se meist nega­tiv gela­den sind, zieht die posi­tiv gela­de­ne Gela­ti­ne die­se Trub­stof­fe an. So wird der Wein geschönt, ent­sch­leimt bzw. geklärt. Die Gel­an­ti­ne ist haupt­säch­lich tie­ri­schen Ursprungs. Es gibt aber auch pflanz­li­che Gel­an­ti­ne, die meist aus Algen gewon­nen wird.[3]

3. Isin­glass: Hier­bei han­delt es sich, um eine sehr rei­ne Form von Gela­ti­ne, die aus den Schwimm­bla­sen von Hau­sen (Belu­ga, Stör) gewon­nen wird. Isin­glass wird vor allem zur Klä­rung von Weiß­wei­nen ver­wen­det.[4]

4. Casein: Das ist ein Milch­phos­phop­ro­te­in, das zur Klä­rung von Weiß­wei­nen ein­ge­setzt wird. Es wirkt ins­be­son­de­re gegen das Braun­wer­den des Weiß­weins.[5]

Die gute Nachricht: Wein kann vegan

Glück­li­cher­wei­se ist man nicht auf tie­ri­sche Klär­mit­tel ange­wie­sen, um guten Wein zu bekom­men. Immer mehr Win­zer nut­zen pflanz­li­che und mine­ra­li­sche Stof­fe. Da gibt es unter ande­rem:

1. Ben­to­nit: Das ist ein natür­li­ches, absor­bie­ren­des Ton­ma­te­ri­al, das zur Bin­dung und Fäl­lung von ent­ge­gen­ge­setzt gela­de­nen Schwe­be­teil­chen ver­wen­det wird. Ben­to­nit ist beson­ders für die Klä­rung von Weiß­wei­nen geeig­net, da es die durch natür­li­che Pro­te­ine im Reb­saft ver­ur­sach­te Trü­bung hemmt.[6]

2. Kie­sels­ol: Ist eine Lösung von Kie­sel­säu­re (Sili­ci­um­di­oxid) in Was­ser. Kie­sels­ol ist ein Mit­tel, um Hefen und ande­re Mit­tel wie Aktiv­koh­le, Ben­to­nit oder Kup­fer­sul­fat aus Wein zu ent­fer­nen.[7]

3. Pflanz­li­che Pro­te­ine: Erbsen‑, Kar­tof­fel- oder Wei­zen­pro­te­ine wer­den ein­ge­setzt, um ähn­li­che Ergeb­nis­se wie tie­ri­sche Pro­te­ine zu erzie­len, jedoch ohne tie­ri­sche Pro­duk­te zu ver­wen­den.

4. Aktiv­koh­le: Wird ver­wen­det, um bestimm­te Far­ben oder Aro­men aus dem Wein zu ent­fer­nen.[8]

5. Poly­vi­nyl­po­ly­pyr­ro­li­don (PVPP): Ein Kunst­stoff, der zur Ent­fer­nung von über­schüs­si­gen Phe­no­len aus Wein ver­wen­det wird, was ins­be­son­de­re bei Weiß­wei­nen hilf­reich sein kann. Gesund­heit­lich angeb­lich unbe­denk­lich, aber nicht unum­strit­ten.[9]

Wie erkennt man veganen Wein?

Hier wird es etwas kom­pli­zier­ter, denn die Wein­in­dus­trie ist nicht immer trans­pa­rent in ihrer Kenn­zeich­nung. In vie­len Län­dern gibt es kei­ne gesetz­li­che Pflicht, die ver­wen­de­ten Klär­mit­tel auf dem Eti­kett anzu­ge­ben. Glück­li­cher­wei­se wird das Bewusst­sein für vega­ne Pro­duk­te immer grö­ßer, und vie­le Her­stel­ler begin­nen, ihre vega­nen Wei­ne ent­spre­chend zu kenn­zeich­nen. Es gibt auch Online-Daten­ban­ken und Apps, die Infor­ma­tio­nen dar­über bereit­stel­len, ob ein Wein vegan ist oder nicht.

Aber auch wenn „unge­fil­tert“ oder „unge­klärt“ auf dem Eti­kett steht, ist das in der Regel ein Zei­chen für vega­nen Wein. Auch „Bio“-, „Öko“- oder „Natur­wei­ne“ wer­den nur sehr sel­ten geklärt. Zur Not musst Du bei Dei­ner Wein­händ­le­rin oder im Restau­rant ein­fach nach­fra­gen.

Mein Fazit zu veganem Wein

Wein ist nicht immer vegan, aber die Anzahl der vega­nen Optio­nen wächst. Als Vega­ner emp­feh­le ich, auf die Eti­ket­tie­rung zu ach­ten oder sich im Zwei­fels­fall direkt an den Her­stel­ler zu wen­den. Die Wein­welt ist viel­fäl­tig und span­nend, und es gibt immer mehr Mög­lich­kei­ten, sie auch vegan zu genie­ßen. Und den­ke dran: „Wein soll den Geist erfri­schen, nicht in Nebel hül­len; er soll wecken Gedan­ken, statt sie zu ver­hül­len.“


Quellen

[1] Vgl. Wein­ma­ker: Using Fining Agents, https://​wine​ma​ker​mag​.com/​t​e​c​h​n​i​q​u​e​/​7​1​5​-​u​s​i​n​g​-​f​i​n​i​n​g​-​a​g​e​n​t​s​-​t​e​c​h​n​i​q​ues, Abruf am 08.01.24

[2] Vgl. Wein für Laein: Tan­ni­ne: Was der Tan­nin­ge­halt im Wein aus­sagt, https://​wein​-fuer​-lai​en​.de/​w​e​i​n​w​i​s​s​e​n​/​t​a​n​n​i​ne/, Abruf am 08.01.24

[3] Vgl. Deli­nat: Die Gela­ti­ne dient der Schö­nung und Sta­bi­li­sie­rung des Weins, https://​www​.deli​nat​.com/​g​e​l​a​t​i​n​e​.​h​tml, Abruf am 08.01.24

[4] Vgl. SWR: Wel­che Rol­le spielt Gela­ti­ne bei der Wein­her­stel­lung?, von Wer­ner Eckert,  11.4.2019, https://​www​.swr​.de/​w​i​s​s​e​n​/​1​0​0​0​-​a​n​t​w​o​r​t​e​n​/​w​e​l​c​h​e​-​r​o​l​l​e​-​s​p​i​e​l​t​-​g​e​l​a​t​i​n​e​-​b​e​i​-​d​e​r​-​w​e​i​n​h​e​r​s​t​e​l​l​u​n​g​-​i​s​t​-​w​e​i​n​-​v​e​g​a​n​-​1​0​0​.​h​tml, Abruf am 08.01.24

[5] Vgl. Wein­ken­ner: Kase­in, https://​www​.wein​ken​ner​.de/​w​e​i​n​l​e​x​i​k​o​n​/​k​/​k​a​s​e​in/, Abruf am 08.01.24

[6] Vgl. Wein­freun­de: #Ange­ber­wis­sen: Was bedeu­tet Ben­to­nit?, 11. April 2023, https://​www​.wein​freun​de​.de/​m​a​g​a​z​i​n​/​w​e​i​n​w​i​s​s​e​n​/​a​n​g​e​b​e​r​w​i​s​s​e​n​-​w​a​s​-​b​e​d​e​u​t​e​t​-​b​e​n​t​o​n​it/, Abruf am 08.01.24

[7] Vgl. Wein​.Plus: Kie­sels­ol, https://​glos​sar​.wein​.plus/​k​i​e​s​e​l​sol, Abruf am 08.01.24

[8] Vgl. Wein​.Plus: Aktiv­koh­le, https://​glos​sar​.wein​.plus/​a​k​t​i​v​k​o​hle, Abruf am 08.01.24

[9] Vgl. Wein­hal­le: PVPP, https://​www​.wein​hal​le​.de/​l​e​x​i​k​o​n​/​p​v​p​p​.​h​tml, Abruf am 08.01.24

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